Karadzic.Guru

Ein Ensembleprojekt von Katrin Hentschel
mit Texten von Slavenka Drakulic, Peter Köpf, Dubravka Ugresic, Felix Steinbrenner, Radovan Karadzic, Erich Rathfelder, Emir Kusturica, Emir Suljagic, Carla de Ponte u.v.a.

mit Frank Albrecht und Vanessa Valk

Regie: Katrin Hentschel
Dramaturgie: Viola Hasselberg
Fotos: Claudia Kanik

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Frankfurter Rundschau 10.4.2009
Im Freiburger Theater gelingt es Puppenspielerin Vanessa Valk, den Opfern eine Stimme zu geben. Und dem theatralischen Ort einen überlegenen Augenblick zu verschaffen. …… Bei „Karadzic. Guru“, einem Ensemble-Projekt von Katrin Hentschel, erscheint uns Radovan („Licht“) Karadzic, Kriegsverbrecher, Grünenpartei-Gründer und Psychiater, als eitler, im eigenen Mittelmaß versinkender Komödiant, basierend auf den wenigen, bekannten Belegstücken seiner Existenz, schwülen Gedichten, esoterischen Therapieempfehlungen, biographischen Aussagen. Die Monstrosität seines Verbrechens, für das er sich aktuell vor dem Den Haager Tribunal verantwortet, wird eben nicht einem monströsen Charakter zugerechnet, im Gegenteil: Frank Albrecht wirkt bei seiner einstündigen, virtuosen Selbstbetrachtung wie ein Chemielehrer, der von der eigenen Versuchsanordnung überfordert ist und den es zunehmend davor zu schaudern scheint. Mit unsicherem Grinsen will er uns von den lächerlichen Abgründen seiner Existenz ablenken, mit dem Ergebnis, dass wir umso deutlicher in die Leere seines Hirns blicken. So banal erscheint uns der Ex-Präsident der Teilrepublik Srpska, dass wohl selbst Hannah Arendt das Grauen packen würde. Das Theater bewahrt sich auf diese Weise einen eigenen Erkenntnisraum: Karadzic ist nach allem, was wir von ihm wissen, nicht der Über-Täter, für den wir ihn halten mögen. Eine Erkenntnis, die keineswegs sein Verbrechen und seine Schuld in Frage stellt. Ein Verbrechen, von dem wir alle betroffen sind,………

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